
Wald erleben
„In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang
im Moos liegen könnte."
(Franz Kafka)
Beschreibung:
Jeder Wald hat etwas geheimnisvolles, etwas unerklärliches, etwas anziehendes - nur muss man es auch entdecken. Ich möchte mich mit euch auf die Suche nach dem Abenteuer Wald machen, die verborgenen aber auch die ganz offensichtlichen Faszinationen des Waldes erleben. Dabei soll es gerade nicht darum gehen, dicke Bücher zu wälzen und jeden Baum, jede Pflanze und jedes Tier, das im Wald vielleicht zu finden ist, bestimmen zu können. Alle Namen, am besten noch mit lateinischen Fachbegriffen, auswendig lernen ist mühselig und langweilig. Nein, das werden wir nicht tun. Viel wichtiger finde ich es, den Wald zu begreifen, das vielfältige Leben zu beobachten, sich darin zu bewegen und den Wald für sich als persönlichen Erlebnisraum zu entdecken. Ganz nebenbei werdet ihr vieles über den Wald und seine Bewohner erfahren, einen Blick in das Ökosystem Wald werfen und so manchen Zusammenhang erkennen. Vielleicht interessiert es euch plötzlich dann doch, was da genau für ein Kraut wächst, das so ungeheuerlich riecht oder welcher Vogel so schräge Töne von sich gibt. Ein Griff zum nächsten Bestimmungsbuch (findet ihr in jeder Bibliothek oder sicherlich auch bei euch im Pfadiheim...) wird euch da bestimmt näheres verraten.
Wenn ihr die Schönheit des Waldes erst einmal entdeckt habt, werdet ihr verstehen, wie sehr es sich lohnt, diese zu schützen und wie wichtig verantwortungsbewusstes Handeln in einer Zeit von immer höherer Umweltbelastung und einem zunehmenden Waldsterben , verursacht durch unsere Lebensweise, ist. Am Ende dieses Projektes, wenn ihr den Wald mit allen Sinnen erlebt und kennengelernt habt, ihr Bäume, Pflanzen und Tiere beobachtet, belauscht, vielleicht sogar befühlt habt, wünsche ich mir, dass euch der Wald ans Herz gewachsen ist und ihr euch zu seinem Schutz umweltbewusst verhaltet.
1. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben I
Waldsofa bauen
Der Weg zum Waldgeist
2. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben II
Blinde Barfußraupe
Natur-Bingo
3. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben III
Tee kochen
Traumreise
4. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben IV
Ich höre was, was du nicht hörst
Leise Sohle
5. Projektstunde: Bäume
Baum-Memory
Spiegelblick
Stockwerke des Waldes
Welches Blatt zu welchem Baum?
Baumalter
6. Projektstunde: Boden I
Waldbodenfenster
Bodentarnung
7. Projektstunde: Boden II
Das große Krabbeln
Was stimmt da nicht?
Wildschweinrennen
8. Projektstunde: Tiere I
Eichörnchenspiel
Hase und Fuchs
9. Projektstunde: Tiere II
Wer bin ich?
Falken und Raben
1. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben
In dieser ersten beiden Projektstunden, soll darum gehen, das eure Gruppe sich erst einmal im Wald „einlebt". Dazu baut ihr das gemütliche Sofa, damit ihr nach den Spielen immer einen Anlaufpunkt habt, wo ihr euch wieder treffen könnt. Oder auch mal eine Kekspause einlegen könnt.
Bei den Spielen wird den Teilnehmern ein erster Einblick in den Lebensraum Wald gewährt. Sie bewegen sich darin und treten in einen ersten Kontakt mit seinen „Bewohnern". Sie werden viel verschiedene Eindrücke sammeln und damit ist das Ziel dieser Projekteinheit. Erreicht.
Das Waldsofa
Spielort: Sonniger Platz ohne Bodenpflanzen
Material: Trockene Materialien des Waldes
Zeitdauer: ca. 40 min.
Sucht euch einen schönen Platz, den ihr euch als Treffpunkt für die nächsten Projektzeiten vorstellen könnt und baut euch dort ein Waldsofa.
Legt Form und Größe fest. Man besten eignet sich ein ringförmiges Sofa.
Zuerst wird grobes Baumaterial wie Kronenteile und große Äste, die am Boden liegen, zusammengetragen, dann werden zur Federung feineres Reisig und kleine Äste geschichtet. Als Rückenlehne können lange Äste dienen, die ineinander verflochten werden; stehenden Bäume eignen sich gut zum Halt geben. Am Ende könnt ihr zur Feinpolsterung Gras oder Moos auftragen.
Der Weg zum Waldgeist
Spielort: abwechslungsreicher Wald
Material: Paketschnur, Naturmaterialien
Zeitdauer: ca. 40 min.
Es werden zwei Gruppen gebildet. Jede hat 20 min. Zeit, einen Weg mitten durch den Wald zu markieren. Als Wegzeichen darf alles verwendet werden, was sich deutlich vom üblichen Erscheinungsbild des Waldes abhebt bzw. ihm widerspricht: z.B. Nadelholzzweige an Laubbäumen, Kiefernzapfen mit Grashalmen aufhängen, Blätter in Rindenritzen, einen Fichtenast in den Boden gesteckt, Dreibein aus Ästen, Gras auf einem Baumstumpf, Äste in Pfeilform auf dem Boden...
Mindestens alle 50 Schritte sollte eine Markierung erfolgen. Nach 20 min. wird ein phantasievoll gestalteter Waldgeist in Augenhöhe mit einer Paketschnur aufgehängt; dies ist das Zeichen für das Wegende. Danach kehren beide Gruppen zum Ausgangspunkt zurück. Nun ist Schnelligkeit und Erkennungsgabe gefordert. Die Gruppe A macht sich an die Strecke von Gruppe B und umgekehrt. Wer zuerst den gegnerischen Waldgeist zurückbringt, hat gewonnen.
Hintergrund:
Mit diesen Spiel soll die Aufmerksamkeit der Gruppe für natürliche und abweichende Erscheinungen im Wald gefördert werden auch in bezug auf eine Bewusstseinsschulung für „Gesundes" und „Krankes" im Wald.
2. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erlebenII
Blinder Barfußraupe
Spielort: abwechslungsreicher Wald
Material: Tampen, Augenbinden, Naturhindernisse
Zeitdauer: ca. 30 min.
Bevor sich die Raupe in Bewegung setzt erzählt ihr die Geschichte von der kleinen Raupe, der Larve des Schmetterlings. Diese Raupe hat keine Schuhe an, bewegt sich also barfuß sehr langsam vorwärts, sie kann nicht sprechen, aber gut hören und erkundet neues, noch unbekanntes Land.
Die Schuhe werden ausgezogen und eine Raupe gebildet. Ruhig sein.
Der Projektleiter bildet mit unverbundenen Augen den Kopf der Raupe.
Im Vorfeld hat er sich schon eine Strecke im Wald markiert: schattige, sonnige Flecken, feuchte, nasse Stellen, Moos, bemooste Stämme, raschelndes Laub, modriger Duft u.a. Es sollte versucht werden möglichst vielseitig diese Strecke auszustaffieren, z.B. auch noch mit Hindernissen zum Drüberklettern, Drunterdurchkriechen, zwischen Bäumen durch, verschiedene Bodenarten, wenn möglich.
Hintergrund:
Das Gruppengefühl soll gestärkt werden und Vertrauen aufgebaut. Gleichzeitig wird die Bereitschaft gefördert, den Sehsinn, der das alltägliche Leben bestimmt, auszuschließen. Ihr sollt einander „blind" vertrauen. Jeder spürt wie er vom Vordermann abhängig ist. Reißt die Kette einmal kurz ab, fühlt man sich möglicherweise sogar allein gelassen. Die Gruppe gibt jedem „Raupenteil" Geborgenheit.
Natur-Bingo
Spielort: abwechslungsreicher Wald
Material: Blätter und Stifte, Darstellungen von Bäumen oder Pflanzen des Waldes
Zeitdauer: ca. 40 min.
Wieder muss der Projektleiter im Vorfeld aktiv werden. Er malt auf die leeren Zettel ein Bingo-Schema, wie z.B. vier Kästchen im Quadrat. In jedes einzelne Kästchen werden Blätter oder Fotokopien von Pflanzen, Bäumen, Tieren, etc. aufgeklebt.
Jeder bekommt ein solches Blatt. Wer als erster die Dinge in der Natur gefunden hat, ruft laut „Bingo!" und hat gewonnen, wenn alles richtig war. Vergleicht von mehreren Mitspielern die Fundstellen.
Achtet darauf, dass ihr euch ein abgegrenztes Spielfeld sucht! Oder ihr spielt die klassische Variante: Wer zuerst eine Reihe voll hat ruft „Bingo!"
3. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben III
Ziel dieser Projektstunde und der nächsten ist die „Stille" des Waldes zu hören. Insbesondere wird hier das Gehör geschult, sich auf ungewohnte Geräusche zu konzentrieren und von dem alltäglichen Geräuschpegel durch „künstlichen" Lärm wie Autoverkehr, etc. abzuschalten. Abzuschalten auch in dem Sinne, dass gemütlich zusammen ein Teechen gebraut und eine die innere Ruhe stärkende Traumreise durchgeführt wird.
Tee kochen
Spielort: am besten an einer Feuerstelle
Material: unterschiedlich abhängig von dem zu brauenden Tee, pro Tasse nimmt man 1 Teelöffel getrocknete oder 2 Teelöffel frische Pflanzenteile
Zeitdauer: ca. 30 min. - bedenkt ihr müsst auch erst noch Feuer machen
Die Kräuter werden in die Tasse gegeben und mit kochendem Wasser übergossen. Das Ganze 5-10 Minuten ziehen lassen (oder länger ighr könnt den Tee ja während eurer Traumreise kochen lassen). Absieben und fertig. Bei Bedarf mit Honig süßen.
z.B. Birkenblättertee, Lindenblütentee, Fichtennadeltee (bei diesem Tee die Fichtennadeln 15 min. auf kleinem Feuer kochen)
Traumreise
Spielort: Wald, trockener Boden
Zeitdauer: ca. 40 min.
Setzt euch zunächst in einen Kreis auf den Waldboden und legt euch dann auf den Rücken, die Arme neben den Körper. Die Beine werden noch einmal ausgeschüttelt und dann auf dem Boden ausgestreckt. Der Projektleiter spricht mit ruhiger Stimme und macht zwischendurch immer wieder Pausen.
„Ihr habt die Augen Geschlossen, atmet tief durch und spitzt eure Ohren. Ihr habt Zeit und Ruhe und hört ganz genau zu, denn auch wenn ihr ruhig auf dem Boden liegt, könnt ihr den Wald erleben. Wer möchte kann später erzählen, was er gefühlt, gehört oder gerochen hat.
An der Stelle, wo ihr jetzt liegt, könnt ihr unter eurem Rücken vielleicht Ast spüren und ihr könnt feststellen, ob der Boden unter euch eben ist oder ob es kleine Mulden und Huckel gibt. Einige von euch werden den Wind auf ihrem Gesicht oder an ihren Händen spüren. Manche von euch liegen in der Sonne und merken wie warm es wird auf der Haut.
Jetzt wo ihr so ruhig auf dem Waldboden liegt, könnt ihr auch besonders gut auf die Geräusche des Waldes hören.
Auf das Rauschen der Blätter, das Zwitschern der Vögel, vielleicht knackt auch irgendwo ein Ast oder ihr hört das Summen einer Hummel.
Manchmal kann man im Wald auch etwas riechen.
Dafür müsst ihr ganz tief durch die Nase einatmen.
Es könnte sein, dass ihr den Waldboden riecht, eine Pflanze in der Nähe oder ihr atmet einfach nur jede Menge frische Waldluft ein.
Achtet noch einen Moment auch die Stimmen des Waldes.
Ihr könnt eure Augen nun langsam wieder öffnen und eure Arme und Beine etwas ausschütteln. Wer mag, kann jetzt erzählen, was er erlebt hat - auf seiner Traumreise durch den Wald."
Hintergrund:
Der Sinn dieser Traumreise liegt in der Sinnesschulung. Ihr sollt lernen die Stille wahrzunehmen, wenn sie euch umgibt. Genauso dient die Traumreise der Entspannung und zur Steigerung des Wohlbehagens.
4. Projektstunde: Den Wald mit allen Sinnen erleben IV
Ich höre was, was du nicht hörst...
Spielort: Wald oder Wiese
Material: ggf. Augenbinden
Zeitdauer: ca. 35 min.
Setzt/legt euch wieder hin, schließt die Augen. Konzentriert euch auf die Geräusche im Wald, z.B. eine Vogelstimme, ein Insektensummen, Wasserplätschern, Ästeknacken...
Ein zuvor Auserwählter sagt: „Ich höre was, was ihr nicht hört". Wer als erster das Geräusch errät, darf das nächste Waldgeräusch bestimmen.
Hintergrund:
Manchmal sind unsere Ohren durch den alltäglichen vom Menschen erzeugten Lärm so zugedröhnt, dass unser Empfinden für die leichten Töne abstumpft. Ein Waldkonzert natürlicher Geräusche ist da ein angenehmes Kontrastprogramm.
Leise Sohlen
Spielort: abwechslungsreicher Wald mit viel Laub und Unterholz
Zeitdauer: ca. 40 min.
Hasen, Kaninchen und Rehe haben extrem große Ohren und ein sehr gutes Gehör. Wer sie Beschleichen will, der muss sich wirklich geräuschlos bewegen können. Einer ist der Hase und setzt sich mit verbundenen Augen hin. Die anderen sind die Jäger. Sie versuchen sich nun unbemerkt an den Hasen anzuschleichen.
Hört der Hase etwas, sagt er „Jäger" und zeigt in die Richtung, in der er den Jäger vermutet. Hat er recht, scheidet der Jäger aus, oder muss eine Anzahl von Schritten zurück.
Alle müssen ganz still sein.
5. Projektstunde: Bäume
Um nun ein wenig tiefer in die Thematik Wald einzusteigen, werden die nächsten drei Projektstunden sich jeweils einem Thema widmen.
Die erste den Bäumen im Wald:
Baum-Memory
Spielort: abwechslungsreicher Wald mit markanten Bäumen
Material: Augenbinden
Zeitdauer: ca. 20 min.
Es werden zweier Gruppen gebildet. Einem werden die Augen verbunden. Der andere sucht sich einen Baum aus und führt seinen Partner über Umwege dorthin. Dieser tastet nun den Baum ab, untersucht Dicke, herabhängende Äste, Löcher, die Rinde, den Boden rundherum, etc. Dann wird er zurückgeführt und die Binde wird angenommen. Nun soll er seinen Baum wieder finden anhand der ertasteten Merkmale.
Anschließend wird getauscht.
Hintergrund:
Die Erforschung eines Baumstammes kann ein inniges Verhältnis des Menschen zum Baum schaffen. Zudem lernt er, die Oberflächenbeschaffenheit der verschiedenen Baumarten zu unterscheiden.
Spiegelblick
Spielort: Wald
Material: Spiegel
Zeitdauer: ca. 20 min.
Es wird eine Reihe gebildet. Und der Spiegel wird unters Kinn gehalten. Der Projektleiter sucht einen abwechslungsreichen Weg ohne Hindernisse aus und geht voran. Die anderen schauen gebannt n ihre Spiegel. Sie haben das Gefühl in Baumkronen zu laufen.
Hintergrund:
Sinnesschulung und kennenlernen anderen Sichtweisen
Stockwerke des Waldes
Zeitdauer: ca. 10 min.
In Anschluss an den Spiegelblick kann kurz etwas zu den Stockwerken des Waldes erzählt werden:
Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, wie ein altes Sprichwort sagt, hat viele Teile des Systems Wald übersehen.
Teilen wir den Wald zum besseren Verständnis in Stockwerke ein, so erkennen wir oben eine Kronenschicht, darunter eine Strauchschicht, mit unseren Beinen stehen wir in der Krautschicht und Moosschicht und unter uns befindet sich die Bodenschicht.
1) Kronenschicht
Die ausladenden Laubkronen alter Buchen und Eichen bilden die obere Baumschicht, das so genannte Kronendach, das bis zu einer Höhe von 20-50 m reicht. In der darunterliegenden Zwischenschicht wachsen die jungen, kräftigen Bäume.
2) Strauchschicht
Sie reicht von einem bis zu sieben Meter Höhe. Hier wachsen dünnstämmige junge Bäume und Sträucher mit lichtem Laub.
3) Krautschicht
Sie besteht aus Büschen und Pflanzen, die nicht verholzen wie Farne, Gräser oder Blütenpflanzen.
4) Laub- und Moosschicht
Auf dem laubbedeckten Boden wachsen vor allem Moose, Flechten und Pilze.
5) Bodenschicht
Hier entwickeln sich die Wurzeln, die je nach Pflanzenart mehr oder weniger tief in die Erde reichen.
Welches Blatt zu welchem Baum?
Spielort: Wald
Material: jeweils ein Blatt, Blüte/Frucht/Samen und ein Stück Rinde von verschiedenen Bäumen, Namenskärtchen mit Namen der Bäume (Ahorn, Birke, Eiche, Esche, Fichte, Kiefer, Linde, Rotbche), Tuch
Zeitdauer: ca. 20 min.
Die verschiedenen Blätter, Blüten, etc. werden gemischt auf einem Tuch verteilt und nun von der ganzen Gruppe den Namen zugeordnet.
Baumalter
Spielort: gefällter Baum oder Baumstumpf
Material: Stecknadeln
Zeitdauer: ca. 20 min.
Jedes Kind schätzt das Alter dieses Baumes. Dann zählt einer die Jahresringe. Alle zehn eine Stecknadel, damit´s merken leichter ist.
Nun kann man mal zurück rechnen was denn alles so in der Zeit in der dieser Baum hier schon steht, alles passiert ist, sehr interessant und wie dick der Baum dann jeweils war.
Gut ist auch mal zwei Bäume zu betrachten. Dicker muss nicht gleich älter heißen...
Hintergrund:
Von den Jahresringen aus, lassen sich Rückschlüsse auf die guten und schlechten Zeiten des Baumes ziehen.
Bäume wachsen nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Die dunkleren Ringe sind aus dem im Herbst gebildeten dunkeln Spätholz. Im Sommer und Frühling entsteht immer Frühholz.
Ein breiter Jahresring zeigt an, dass es dem Baum in diesem Jahr gut ging - er hatte viel Wasser, Luft und Licht, ausreichend Nährstoffe.
Ein schmaler Jahresring weist darauf hin, dass der Baum in diesem Jahr unter Trockenheit, Lichtmangel oder vielleicht Krankheit, Schadstoffe, Schädlingsbefall gelitten hat.
6. Projektstunde: Boden I
Waldbodenfenster
Spielort: Artenreicher Wald
Zeitdauer: ca. 25 min.
Die Kinder bilden einen Kreis und legen sich auf den Bauch. Jedes Detail des Waldbodens wird nun betrachtet: Moose, Kräuter, Baumsäumlinge, skelettierte Blätter braune Nadeln, modrige Hölzer, Pilze.
Aber es gibt auch jede Menge Tiere am Waldboden: Ameisen, Spinnen, Asseln, Käfer, Käferlarven, Schmetterlingslarven, Schnecken, Regenwürmer und Tausendfüßler.
Nach einigen Minuten hebt jedes Kind die vor ihm liegende oberste Auflage, die ganzen Blätter und Nadeln, vorsichtig ab und nimmt die darunter verborgenen Geheimnisse in Augenschein. Anschließend werden die kaputten Blätter abgesammelt, danach noch einmal alle übrig gebliebenen Krümel auf dem Waldboden.
Da gibt allerlei zu entdecken, denn der Waldboden entsteht durch herabfallen und Zersetzung von Blättern und Nadeln. Viel Tiere Bakterien und Pilze sind an der Zersetzung und Zerkleinerung der Blattmasse beteiligt.
Hintergrund:
Durch das „Waldbodenfenster" könnt ihr einen Blick in die bewegte Pflanzen- und Tierwelt eines kleines Waldbodenstücks werfen. Der Aufbau des Bodens lässt sich sehr gut erkennen. Daran lassen sich allgemeine Erläuterungen zu Zersetzungsprozessen im Erdreich anschließen.
Bodentarnung
Spielort: Altbestand mit braunem Waldboden oder Wiese
Material: bunte Streichhölzer (blau, gelb, rot, grün, natur, dunkelbraun)
Zeitdauer: ca. 45 min.
Ihr bildet Zweiergruppen und baut euch ein Vogelnest. In dieser Zeit wird vom Projektleiter eine 3,5x3,5 großes Spielfeld mit Stöcken abgeteilt und die Streichhölzer darin verteilt.
Wenn die anderen fertig sind, folgt eine kurze Einleitung: Die 2er Paare sind Vogeleltern, die für ihre Kinder „Insekten" als Futter sammeln müssen. Die Nester werden am Spielrand deponiert. Natürlich muss ein Elternteil auf die Kinder aufpassen und eins fliegt raus und sammelt ein Insekt, mehr kann ein Vogel ja nicht tragen, dann wird getauscht.
Wenn der Projektleiter sieht, das kaum noch „Insekten" gefunden werden, bricht er ab. Nun fragt er wie viele „Insekten" jedes Paar gefunden hat. Wieviel rote? Wieviel Blaue? - wohl mehrere. Wieviel grüne und gelbe? - schon weniger. Und wieviel dunkelbraune? - in der ganzen Gruppe ungefähr eins. Wie viele naturfarbene? - wieder mehr.
Warum? Weil Insekten die sich tarnen können, der Umwelt angepasst sich und wenig auffallen.
Ihr könnt jetzt ja noch einmal gezielt nach nach Dunkelbraunen suchen...
7. Projektstunde: Boden II
Das große Krabbeln
Spielort: Altbestand mit braunem Waldboden
Material: evtl. Lupe
Zeitdauer: ca. 20 min.
Jeder von euch sucht sich ein krabbelndes Insekt, wie einen Käfer oder eine Ameise. Ihr sollt genau dieses Insekt nun verfolgen. Und laßt es nicht aus den Augen! Wie weit könnt ihr es verfolgen? Berichtet den anderen von eurer Verfolgungsjagd.
Was stimmt da nicht?
Spielort: Wald
Spielort: Altbestand mit braunem Waldboden
Material: evtl. Lupe
Zeitdauer: ca. 20 min.
Jeder von euch sucht sich ein krabbelndes Insekt, wie einen Käfer oder eine Ameise. Ihr sollt genau dieses Insekt nun verfolgen. Und laßt es nicht aus den Augen! Wie weit könnt ihr es verfolgen? Berichtet den anderen von eurer Verfolgungsjagd.
Was stimmt da nicht?
Spielort: Wald
Zeitdauer: ca. 25 min.
Die Kinder bilden zwei Gruppen, die jeweils eine Fläche von 4 x 4 m mit Stöcken eingrenzen. Jede Gruppe hat nun fünf Minuten Zeit sich die Details ihrer Fläche genau einzuprägen - also Lage der Moose, Blütenplanzen, abgestorbener Äste, Baumstubben oder Fichtenzapfen - ohne sie zu betreten.
Anschließend tauschen die Gruppen die Flächen und haben fünf min. Zeit, im Feld der gegnerischen Gruppe fünf Dinge in der Größe min. einer Streichholzschachtel zu verändern: Es kann ein weiteres Moosstückchen, ein neuer Ast hinzugelegt oder ein Fichtenzapfen herausgenommen werden. Dabei darf die Fläche nicht betreten werden.
Nach weiteren fünf Min. muss jede Gruppe die Veränderungen ihrer Fläche erkannt haben.
Hintergrund:
Die Genauigkeit des Hinsehens wird geschärft. Es wird ein gute Beobachtungsgabe gefordert und gleichzeitig wird die Bereitschaft sich kleinen Dingen zuzuwenden gefördert.
Wildschweinrennen
Spielort: trockener Waldboden
Zeitdauer: ca. 20 min.
Alle knien sich hin, im Kreis, Schulter an Schulter.
Nun wird erzählt, dass die Wildschweine aus den Mitte-Wäldern und den Weser-Ems-Wälder einmal im Jahr nach Harz-Heide kommen, um die dortigen Artgesellen zu besuchen. Dies ist immer eine ganz besondere Freude, denn dann findet auch immer das große alljährliche Wildschweinrennen statt, bei dem die Vertreter der drei Waldbezirke zeigen können, was sie drauf haben.
Das Rennen beginnt und die Schweine laufen los (mit den Händen auf die Oberschenkel schlagen). Die Strecke ist sehr kurvenreich (rechts und links Neigungen). Mal sind es rechts Kurven, mal sind es links Kurven und manchmal versperrt ein Hindernis den Weg (Wellenbewegung mit den Armen) - mal ein Bach, mal ein Baumstamm - und muss übersprungen werden. Die Wildscheine laufen durch ein Maisfeld und lassen sich den reifen Mais dabei nicht entgehen (kauenden und schmatzende Geräusche). Nach so einer Stärkung werden die Schweine immer schneller, die Strecke wird immer anstrengender und endlich neigt sie sich dem Ende zu und die Schweine sinken erschöpft zu Boden.
8. Projektstunde: Tiere I
Eichörnchenspiel
Spielort: Wald
Material: Nüsse oder ähnliches, Sekundenzeiger an der Uhr
Zeitdauer: ca. 25 min. + 5 min. am Ende der Projektstunde
Der Spielleiter verteilt an jedes Kind zehn Nüsse. Alle sollen sie nun in einem begrenzten Waldstück so verstecken, dass die anderen sie nicht sehen. Es bleibt allen nur eine Zeit von fünf Min., da die Zeit drängt, weil der Winter steht bald vor der Tür. Dann treffen sich alle wieder. Es wird Winter und die Eichhörnchen bekommen wieder Hunger. Die Eichhörnchen machen sich auf die Suche nach ihren ersten zwei Nüssen - Suchzeit eine halbe Minute. Treffen. Wieder werden 2 Nüsse gesucht, dieses Mal haben die Eichhörnchen 1 min. Zeit. Bei den nächsten zwei Nüssen ebenfalls wieder eine Minute. Die nächsten 3 Nüsse werden einzeln gesucht, das träge Eichhörnchen hat pro Nuss eine Minute Zeit. Die letzte Nuss wird erst am Ende des Projektes, wenn die Winterzeit schon fast vorüber ist, gesucht...
Ihr könnt natürlich auch fremde „Verstecke „ausrauben, wenn euch dazu Zeit bleibt. Am Ende werden die gefundenen Nüsse gezählt.
Hintergrund:
Das Eichhörnchen hält keinen Winterschlaf, befindet sich aber in einem Dämmerzustand und ist ziemlich träge. Sein Baumnest verlässt es im Winter nur, wenn der Hunger übermächtig wird oder ein Feind naht.
Es legt für den Winter Vorräte in hohlen Bäumen, unter Steinen und Büschen sowie in selbst gegrabenen Löchern an. Eine besondere Vorliebe hat das Eichhörnchen für Walnüsse. Bei vielen Früchten weiß es später jedoch nicht mehr wo es sie versteckt hat, und findet sie nicht mehr. So trägt das Eichhörnchen dazu bei, dass neue Eichen, Buchen, Walnussbäume und Haselnusssträucher wachsen können.
Fuchs und Hase
Spielort: Waldlichtung
Zeitdauer: ca. 30 min.
Es gibt zwei Gruppen, die Hasen und die Füchse, und zwei Klips, sowie ein begrenztes Spielfeld. Die Klips sind in zwei einander gegenüber liegenden Ecken. Alle drehen sich mit dem Gesicht weg vom Spielfeld. Der Projektleiter lässt einen getarnten Gegenstand irgendwo fallen und alle suchen. Finden die Hasen den Gegenstand, laufen diese zu ihrem Klip um ihn dort sicher zu verwahren, die Füchse jagen die Hasen...und umgekehrt. Gefangene wechseln die Gruppen.
9. Projektstunde: Tiere II
Wer bin ich?
Spielort: trockener Waldboden
Material: Kärtchen, Stift und Klebeband
Zeitdauer: ca. 30 min.
Jeder bekommt einen Namen eines Waldtieres auf den Rücken geklebt, den die anderen sich zusammen ausgedacht haben. Mithilfe von Fragen muss nun jeder versuchen herauszufinden was für ein Tier er ist. Es dürfen nur mit ja oder nein zu beantwortende Fragen gestellt werden.
Wenn jemand meint zu wissen wer er ist, steht er auf und tritt aus dem Kreis, den anderen bleiben nun noch drei Fragerunden. Anschließend stellen sie sich nacheinander auf einen Baumstumpf und verkünden mit dem Rücken (wegen des Kärtchens) zur Gruppe wer sie sind...das Gelächter mag manches mal groß sein.
Falken und Raben
Spielort: Waldlichtung
Zeitdauer: ca. 40 min.
Es werden zwei Gruppen gebildet, die Falken und die Raben. Sie stehen sich gegenüber in 2 Schritt Abstand. Fünf Schritte hinter jeder Gruppe liegt euer Lager, dessen Beginn deutlich gekennzeichnet ist. Die Lager sind für die gegnerische Gruppe tabu.
Der Projektleiter stellt Behauptungen auf, die richtig oder falsch sind. ...Im Osten geht die Sonne auf...wäre z.B. eine richtige Aussage. Jetzt jagen die Raben die Falken und versuchen, durch abschlagen viele zu erwischen, bevor sie ihr Lager erreichen. Sagt der Projektleiter etwas Falsches, so jagen die Falken die Raben. Die jeweils Erwischten wechseln die Gruppe.
Ein schönes Spiel, um zum Ende des Projektes nebenbei unauffällig Wissen abzutesten...ihr werdet sehen, ob euer Projekt erfolgreich war.

